• Christian Fadi El-Khouri

Der Einfluss von Telemedizin auf den internationalen Patiententourismus

Mit der Wandlung unseres Gesundheitswesens zu einem ortsungebundenen Konstrukt, dass auf Einfachheit, Transparenz und Zugänglichkeit setzt (so zumindest das Ideal), ist für die hiesige Bevölkerung viel getan. Natürlich wird es immer Raum für Verbesserungen geben, doch haben wir alleine in den vergangenen sechs Monaten mehr Fortschritte gemacht, als wir es unter normalen Umständen in den nächsten zwei Jahren gemacht hätten. Not ist in diesem Fall nicht die Mutter der Erfindung, aber zumindest ihrer Implementierung Förderer, gewesen.


Doch was bedeutet die Digitalisierung unserer Gesundheitsinfrastruktur für den Medizintourismus?


Kein barrierefreier Zugang zum deutschen Gesundheitswesen


Ausländische Patienten haben, im Gegensatz zu inländischen Patienten, keinen barrierefreien Zugang zum deutschen Gesundheitswesen. Dies wurde in der Vergangenheit immer wieder aus wissenschaftlicher und jüngst auch juristischer Perspektive festgestellt. Entsprechend wirkt sich die Digitalisierung unseres Gesundheitswesens auch anders auf ausländische Patienten aus. Wo für die inländische Bevölkerung der Zugang verbessert, vereinfacht und gebündelt wird, schafft die Digitalisierung für ausländische Patienten eine neue Art des Zugangs und oftmals die erste Möglichkeit direkt mit den medizinischen Leistungsträgern in Kontakt zu treten.


Mehr Transparenz durch einen Direct Provider Approach


Ein Direct Provider Approach ist dadurch charakterisiert, dass Gesundheitsdienstleister ihr Leistungsangebot unmittelbar anbieten. So sind sie, auch wenn durch fremde Technologien gestützt, für den Marktauftritt, Preisgestaltung und Dokumentation selbst verantwortlich. Am Beispiel einer Plattform für Telemedizin wäre von der Profilerstellung, über die Beschreibung, bis zur Preisgestaltung hinaus der Arzt oder das Krankenhaus zumindest Inhaltsverantwortlicher. Durch die Autonomie der Gesundheitsdienstleister in der Gestaltung ihres Auftrittes und einer detaillierten Aufschlüsselung der Kosten für eine Telekonsultation wird ein Level an Transparenz geschaffen, dass es in den üblichen Konstellationen des Medizintourismus nicht gibt. Die Preisgestaltung und Informationsübermittlung werden sonst regelmäßig durch Beteiligung Dritter verzerrt. (Gemeint sind z.B. Fälle, in den eine Originalrechnung des Krankenhauses nie beim Patienten ankommt, sodass Agenturen ihre Marge versteckt erwirtschaften können.)


Vermeidung einer unlauteren Zuführung/Zuweisung durch mehr Patientenautonomie


Denken wir obiges Beispiel fort, würde ein Patient aus dem Ausland sich den Arzt nun auf der Plattform selber aussuchen. Ohne jegliche Assistenz des Patienten ist dies aber oftmals nicht zielführend. Inländische Patienten wissen anhand der Überweisung durch ihren Hausarzt genau um welchen Fachbereich sie sich bemühen müssen. Gleichzeitig kann sich der ausgewählte Versorger anhand Diagnose, Behandlung und Auftrag direkt ein Bild zur Behandlungsmöglichkeit der Anfrage machen. Bei ausländischen Patienten ist diese Möglichkeit nicht gegeben. Sie verfügen oftmals über unzählige Arztbriefe, welche in Diagnose und Auftrag voneinander abweichen.


Eine Chance große sehe ich hier in der Einbindung von KI, die anhand eines Chats und Auswertung der Arztbriefe die adäquaten Dienstleister vorstellt. Bezüglich einer Zuführungsproblematik ist anzumerken, dass eine KI nur so objektiv entscheiden kann, wie sie programmiert worden ist. Zu unserem Vorteil erlaubt die Entscheidung, einen Patienten mit Herzrhythmusstörungen nicht zum Orthopäden zu schicken, wenig Spielraum für subjektive Ansichten. So kann eine von KI gestützte Auswahl von Experten auch als präventive Compliance Maßnahme zur Vermeidung einer Patientenzuweisung aus Sachfremden Gründen dienen.


Entlastung des hiesigen Gesundheitssystems durch Telemedizin


Unnötige Anreisen zu medizintouristischen Zwecken vorzubeugen ist auf allen Ebenen eine Win-Win Situation.

Vorweg möchte ich sagen, dass ich es keinem Patienten verheißen kann, wenn er sich die bestmögliche medizinische Versorgung ermöglicht. Der Drang, medizinisch gut versorgt zu werden, ist wohl für uns alle nachvollziehbar.

Allerdings ist es in vielen Ländern der Golfregion zu einem Running Gag geworden, dass sich Landsleute für harmlose Leiden (Gestoßener Fußzeh, Schnupfen oder leichte Rückenschmerzen) auf Staatskosten mehrwöchig zu gesundheitstouristischen Zwecken in Europa aufhalten. Das kommt nicht von ungefähr: In Kuwait laufen derzeit mehrere Verfahren zur Aufdeckung zweckungebundener medizintouristischer Aufenthalte in Deutschland.


Relevante Auswirkungen auf einen Blick


Der Einfluss digitaler Gesundheitstechnologien auf den Medizintourismus wird spürbar sein. Den meisten Erscheinungsformen müsste ein eigener Artikel gewidmet werden. Zur vereinfachten Übersicht der wichtigsten Auswirkungen habe ich in einem vergangenen Mandat untenstehende Übersicht (hier in gekürzter Form) erstellt. Sie eignet sich gut dazu, sich einen schnellen Überblick zu einigen Key-Effects der Digitalisierung unseres Gesundheitswesens auf den Patiententourismus zu verschaffen.



Die Digitalisierung unseres Gesundheitswesens wird auch den internationalen Medizintourismus verändern. Ich bin zuversichtlich, dass die richtige Implementierung neuer Technologien für einen transparenteren, stabileren und Stakeholder freundlicheren Markt sorgen wird.


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